Buch Rezension

Rezi: “Hinter den Spiegeln” von Ulrike Schweikert

Hinter den Spiegeln von Ulrike Schweigert

Mainstream/Historical
ULRIKE SCHWEIKERT
Hinter den Spiegeln – Das Wiener Vermächtnis
HarperCollins

Amazon

Wien, 1892. Als Luise von Waldenberg nach einem schlimmen Unfall, der ihren Bruder das Leben kostete, aus dem Koma erwacht, hat sie ihr Gedächtnis verloren und findet erst durch ihre Zofe Dana und alte Tagebucheinträge nach und nach zu sich zurück. Ihr altes Ich betrachtet sie jetzt indes mit Abscheu, wie auch den gesamten Wiener Adel, der seine dunklen Geheimnisse gut zu verstecken weiß. Viel lieber verbringt sie Zeit in der herrlich duftenden Zuckerbäckerei Stephan Bruckers, der sich unsterblich in sie verliebt. Doch eine Liaison eines einfachen Mannes mit einer Komtess ist undenkbar. Und da gibt es ja auch noch ihren ehemaligen Verlobten Rudolf von Thernitz und ihren nach Macht strebenden Cousin Maximilian, der sie heiraten will. Deshalb muss Luise sich der Vergangenheit stellen.

Ulrike Schweikert lässt ihre Leser in „Hinter den Spiegeln“ vom Wien der Jahrhundertwende träumen. Der Autorin gelingt es meisterhaft, eine atmosphärische Dichte zu erschaffen, die einen ganz tief in das Buch hineinzieht, in dem sich ihre intensiven Recherchereisen, etwa zum berühmten Opernball, durch die Detailgenauigkeit widerspiegeln. Zunächst entführt sie in einer Rahmenhandlung kurz in die Zeit zu Beginn des Ersten Weltkriegs, bevor sie ihre Geschichte in einer langen Rückblende entfaltet. Ihre Charaktere werden allesamt ausführlich beschrieben, doch nur wenige können Sympathiepunkte sammeln. Genau die fiesen Intrigen und Machtgeplänkel sind das Salz in der Suppe, während die Liebe eher eine untergeordnete Rolle spielt. Fans historischer Romane werden trotzdem hellauf begeistert sein und eine Fortsetzung herbeisehnen, da das Ende offen gehalten ist.

Zuerst erschienen in der LoveLetter-Ausgabe #113/November 2015.