Hörbuch Rezension

Audiorezi: „Klar ist es Liebe“ von Sandy Hall

Contemporary
SANDY HALL
Klar ist es Liebe
A Little Something Different
sauerländer audio, ungekürzte Lesung,
5 CDs, ca. 337 Minuten

Erstaunlicherweise hat es Azalea „Lea“ Fong im ersten Semester in den begehrten Kurs über kreatives Schreiben geschafft. Auf dem Weg zur ersten Stunde rennt sie prompt in einen süßen, aber recht tolpatschigen Typen hinein, den sie wenig später im Hörsaal wiedersieht. Genau wie sie spürt auch Gabe ein gewisses Kribbeln, wann immer sich ihre Wege nun kreuzen, was recht häufig geschieht, haben sie doch viele gemeinsame Interessen, lieben Popkultur und besuchen häufig dieselben Orte. Jeder in ihrem Umfeld, von der lesbischen Dozentin Inga, über Gabes Bruder Sam und Leas Kumpel Danny, bis hin zum Eichhörnchen im Park, spürt einfach, dass die beiden zusammengehören. Trotzdem will es einfach nicht klappen. Nicht nur ist Lea recht zurückhaltend und Gabe ziemlich schüchtern, andauernd geht auch etwas schief oder es kommt zu Missverständnissen.

Oft ist eine gewisse Skepsis angebracht, wenn ein Buch seitens der Marketingmaschinerie als originell und einzigartig angepriesen wird. Wenn es sich dann auch noch um ein Debüt handelt, ist besondere Vorsicht geboten. Bei „Klar ist es Liebe“ werden jegliche Zweifel allerdings umgehend zerstreut, denn Sandy Hall hat hier wirklich etwas ganz Besonderes erschaffen, nämlich eine Liebesgeschichte, die nicht aus Sicht der Protagonisten, sondern die lediglich von Außenstehenden erzählt wird. Durch die insgesamt vierzehn Perspektiven eignet sich die Audiofassung hervorragend für eine Ensemblelesung und nicht bloß einen Vorleser. Und wenn dann so begnadete Hörbuchstars wie Simon Jäger, Mechthild Großmann oder Detlef Bierstedt mit von der Partie sind, kann das Ergebnis nur großartig werden. Die Story könnte da fast egal sein, ist sie aber in diesem Falle ganz und gar nicht. Im Gegenteil, denn sie hat ihren ganz eigenen Charme, sodass sogar ein Eichhörnchen als einer der Erzähler, oder noch Skurrileres, niedlich wirkt. So entzückend dürfte Amor gerne öfters zuschlagen.

Zuerst erschienen in der LoveLetter-Ausgabe #111/September 2015.