Kolumne Romance in Space

Romance in Space: Unter einem schlechten Stern

Liebesgeschichten in der Science-Fiction-Literatur sind ein offenes Geheimnis: Jeder weiß, dass es sie gibt, aber nur wenige wollen es zugeben.

Eigentlich gibt es Liebesgeschichten und romantische Einflüsse seit Jahrzehnten im Science-Fiction-Genre. Sie können sehr subtil in die Geschichte eingebettet sein, und sie unterscheiden sich stilistisch von traditionellen Liebesromanen. Schriftsteller, die romantische Elemente in die Science Fiction eingewoben haben, sind entweder Glücksspieler, die alles auf eine Karte setzen, oder sie haben die Romantik durch die Hintertür reingemogelt. Autoren, die sich bereits einen guten Ruf erarbeitet haben – und zudem ein Y-Chromosom besitzen – können eine Liebesgeschichte sogar einbauen, ohne Gegenwind oder Anfeindungen befürchten zu müssen.

Ist das nicht eine interessante Gleichung?

Üblicherweise trifft eine in einem Science-Fiction-Plot eingebettete Liebesgeschichte auf Reaktionen, die von Akzeptanz über milde Ablehnung bis zu regelrechter Verachtung reichen können. Tatsächlich scheint „Romantik“ für viele Science-Fiction-Fans ein regelrechtes Unwort zu sein – verdientermaßen oder auch nicht. Aber können Sie sich einen Lektor mit einer derartigen Aversion gegen Liebesromane vorstellen, dass er Autoren, die gerne eine Romanze in ihren Science-Fiction-Roman einfügen würden, mit harten Sanktionen droht? So etwas gibt es wirklich.

Die Debatte umfasst verschiedene Gesichtspunkte. Erst ist da mal der „Nackenbeißer“-Ruf des Liebesromangenres im Literaturbetrieb. Nichteingeweihte denken bei Liebesromanen vor allem an Sexszenen und schwülstige Sprache. Sie neigen dazu, zu verallgemeinern, sehen nur die gängigen Klischees und unterstellen, dass alle Liebesromane so sind. Das führt dann zu einer Reaktion wie „so etwas kommt mir nicht ins Haus“.

Dann gibt es das spürbare Bedürfnis, die „Reinheit“ des Science-Fiction-Genres zu erhalten. Es gibt Puristen, die die Vermischung von Science Fiction mit anderen Genres beklagen, besonders mit den Liebesromanen. Zusätzlich scheint sich eine Kluft aufzutun zwischen den Büchern, in denen die Entwicklung der Handlung im Vordergrund steht und solchen, die mehr auf Charakterentwicklung setzen. Glücklicherweise hat sich die Science-Fiction-Landschaft in den letzten Jahren dramatisch verändert, was dazu führte, dass ein breiteres Spektrum an Geschichten Akzeptanz gefunden hat.

Widerstand gegen Liebesgeschichten in Science Fiction oder Science Fiction in Liebesromanen rührt auch nicht zuletzt aus den Herausforderungen, vor die das Marketing solcher Mischgenre gestellt wird. Das fängt an bei der passenden Wahl eines Covers: Sollte es futuristisch aussehen oder ganz eindeutig romantisch? Ist das Buch im Handel besser aufgehoben in der Liebesromanabteilung oder im Science-Fiction-Regal? Die Liste ließe sich weiter fortführen.

Die Verbindung von Science Fiction und Liebesroman steht daher unter einem schlechten Stern. Sie bilden ein schillerndes, leidenschaftliches Paar, aber nicht jeder mag sie zusammen sehen. Oder, wenn Leser sie zusammen sehen wollen, haben sie feste Erwartungen, was die Mischung beinhalten sollte.

Trotz der zahlreichen Hindernisse haben viele Science-Fiction-Verlage großartige genreübergreifende Geschichten erkannt und die Karrieren von Autoren, die Science Fiction mit Romantik verbinden, unterstützt. Autoren wie Lois McMaster Bujold, Sharon Lee & Steve Miller, Anne McCaffrey und Catherine Asaro haben sowohl unter den Science-Fiction-Fans als auch den Liebesromanlesern Anklang gefunden.

Wie ist dieses Wunder zustande gekommen? Im Grunde haben sie einfach Bücher geschrieben, die bei Liebesromanlesern gut ankamen. Sie verstehen die machtvolle, weiblich ausgerichtete Natur einer Liebesgeschichte. Sie haben sich nicht davor gescheut, von Beziehungen zu schreiben oder emotionalen Risiken und wie diese einen Held und eine Heldin verändern können. Und auch die Science-Fiction-Elemente sind in ihren Geschichten nicht zu kurz gekommen.

Die oben genannten Autoren sind auch starke Verfechter des Liebesromangenres. Catherine Asaro war zum Beispiel einmal Vorsitzende der Vereinigung „Science Fiction and Fantasy Writers of America“. In ihrer Position ermutigte sie den Dialog über Romantik in Science Fiction. Während ihrer Karriere hat sie sich immer gegen Stereotypen gewandt und ist öffentlich für die romantischen Elemente in ihren Büchern eingestanden.

Dies ist das Erbe des Liebesromans. Das Science-Fiction-Genre erreicht ein größeres Publikum, da es auch Liebesromane beinhaltet. Die Romantik in Science Fiction ist ein Geheimnis, das darauf wartet, gelüftet zu werden.

www.thegalaxyexpress.net

Übersetzung von Ivonne Blaney.
Zuerst erschienen in der LoveLetter-Ausgabe #44/Juni 2009.