Klartext Kolumne

Klartext: Und es läuft und läuft …

Das Phänomen ist nicht neu und sicher nicht auf die Buchwelt beschränkt. Wenn sich ein Trend abzeichnet und festigt, springen immer mehr Leute auf diesen Zug auf. Ob es nun eine Spiel- und Talkshowschwemme im Fernsehen ist, Verschwörungsthriller aus dem Kirchenmilieu in der Spannungsliteratur oder Regencys bei historischen Liebesromanen. Ist ein Erfolgsrezept erst einmal erkannt, scheint es kein Halten mehr zu geben.

Jeder möchte etwas vom Kuchen abhaben. Autoren wollen ihre Manuskripte erfolgreich an den Verlag bringen, Verlage wollen ihre Bücher gewinnbringend an die Masse der Leser verkaufen können und die Buchhändler wollen schließlich auch noch davon leben. Da scheint es manchmal leichter und lukrativer, auf ein erfolgreiches Pferd zu setzen. Dabei sollte nicht unterschätzt werden, dass ein Gaul auch tot geritten werden kann.

Was im Moment angesagt ist, kann in einiger Zeit schon wieder völlig out sein. Nicht nur, weil sich der Zeitgeist immer schneller ändert, sondern auch, weil die Leserschaft durch immer stetigeren, wenig variierenden Nachschub viel zügiger übersättigt ist. Schuld an dieser Misere haben entweder alle oder keiner. Im Grunde ist es einfach ein Teufelskreis.

Kann man es einem Verlag verdenken, wenn er nicht viel mehr Mut zeigt als die Leser? Oft genug wird im Buchladen nach Romanen gefragt, die genauso sind, wie die letzte Lektüre oder zumindest große Ähnlichkeiten damit aufweisen. Wenn ein Autor mal aus seinem Repertoire aussteigt, folgt alsbald der Schrei der Entrüstung, wenn das neue Buch so ganz anders als die letzten ist. Einmal festgelegt ist es schwer, wieder aus einer Schublade herauszukommen. Wohl dem, der schon immer vielseitig war.

Geboten wird in der Regel, was verlangt wird. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Doch auf die Dauer kann bis dahin Heißgeliebtes beginnen zu langweilen. Und das eingeschränktere Angebot kann die Nachfrage nicht mehr befriedigen. Leser suchen dann verzweifelt nach neuem aufregenden Stoff, Lektoren schauen sich händeringend nach Autoren um, die nicht mit dem Strom geschwommen sind, etwas Innovatives anbieten können oder in der Lage sind, schnell umzusatteln. Ein neuer Trend wird gefunden, und schon geht wieder alles von vorne los. Bis hin zu den Leserbeschwerden, wenn der Einheitsbrei wieder Überhand nimmt.

Das Angebot kann nur so abwechslungsreich sein, wie der Markt es zulässt. Verlage können nur so risikofreudig sein, wie Käufer bereit sind, für die Neuerscheinungen im regulären Handel Geld auszugeben. Vielleicht sollten wir nicht immer versuchen, die Fehler bei anderen zu sehen, sondern überlegen, was wir selbst ändern können.

Herzliche Grüße
Tina Dick

Zuerst erschienen in der LoveLetter-Ausgabe #23/Februar 2007.

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