Klartext Kolumne

Klartext: Schwarz-Rot-Gold

Die Entwicklung, die Klinsis Elf im letzten Jahr eingeläutet hat, wurde von Heiner „Schnauzbart“ Brandts Truppe vor wenigen Wochen fortgesetzt. Wieder wurden Fahnen geschwenkt, und das Land war mächtig stolz auf die deutsche Mannschaft. Gegen einen Schuss gesunden Patriotismus ist nichts einzuwenden. Die eigenen Erfolge – WIR sind eben nicht nur Papst sondern endlich auch Weltmeister – und der Stolz darauf dürfen ruhig betont werden, solange man die Leistungen der anderen nicht abwertet.

Made in Germany ist wieder in. Es wäre schön, wenn diese Euphorie auch auf andere Bereiche übertragbar wäre. Mit den Zuschauermassen bei großen Sportereignissen kann das Publikum von Unterhaltungsromanen zahlenmäßig sicher nicht mithalten. Begeisterungsfähig dürfte es aber schon sein. Bleibt zu fragen, warum angeblich ausländischen Schriftstellern vielfach der Vorzug vor heimischen gegeben wird.

Für den Liebesromanbereich dürfte das zutreffen. In erster Linie ist es darauf zurückzuführen, dass er, wenn man sich die monatlichen Neuerscheinungslisten so anschaut, eindeutig von Übersetzungen aus dem Englischen dominiert wird, wohingegen in anderen Sparten durchaus etliche Eigengewächse florieren. Woran liegt es, dass in den Programmen der Verlage in diesem Genre relativ wenige deutsche Autoren zu finden sind? Können sie in der Gunst der Leser nicht mit ihren beispielsweise amerikanischen Kollegen konkurrieren?

Das Talent eines Schriftstellers macht sich ganz bestimmt nicht an seiner Nationalität fest. Das Bewerten künstlerischer Fähigkeiten ist allerdings nicht so einfach wie bei mancher Sportart. Es gibt keine objektiven Kriterien wie die Toranzahl, Bestzeiten oder Bestweiten. Ein Buch muss schlicht und ergreifend den Geschmack der anvisierten Zielgruppe treffen. Ein Autor, der Liebesromanleser erreichen möchte, sollte deshalb logischerweise einen Liebesroman schreiben, nicht bloß einen Roman, „der wo“ (frei nach unserem Ex-Bundestrainer) vielleicht ein bisschen mit irgendeiner Form von Liebe zu tun hat.

Kreative Selbstverwirklichung ist schön und gut. Sie sollte aber nicht so weit gehen zu versuchen, dass eigene Publikum umzukrempeln und diesem, wenn es nicht spurt, das Recht abzuerkennen, seine Meinung auszudrücken. Der Kunde ist König, das hat man über dem großen Teich schon lange erkannt. Erfolgreiche Liebesromanautoren – die übrigens oftmals vor ihrer Schreibkarriere selbst passionierte Liebesromanleser waren – sind dort in der Lage, mit oft gelobter Professionalität marktgerecht zu schreiben ohne gleich ihr künstlerisches Selbst zu verraten.

Manchmal entsteht der Eindruck, einige deutsche Liebesromanautoren haben Angst vor großen Gefühlen. Mut zum wahren Herzschmerz wird nur unter zusätzlichem, in der Öffentlichkeit teilweise gehütetem Pseudonym, bewiesen. Aber wer ein Problem mit Romantik und von den Lesern durchaus geschätzter aufwallender Leidenschaft und ja, manchmal auch Kitsch, hat, der hat sich vielleicht einfach in die falsche Sparte verirrt und ist nicht unbedingt ein geeigneter Kandidat, diese dann nach außen zu repräsentieren. Es könnte Leser vergrätzen, wenn manche deutschen Liebesromanautoren die eigenen Qualitäten nur hervorzuheben wissen, indem sie die englischsprachige Konkurrenz – und damit deren Publikum – erst einmal herabsetzen. Gelegentlich ist es nämlich hilfreich, sich umzuschauen, was andere gut machen und sich eventuell etwas abzugucken. Den Nerv der Leserschaft trifft man mit guten Geschichten, nicht mit schlechten Argumenten.

Herzliche Grüße
Tina Dick

Zuerst erschienen in der LoveLetter-Ausgabe #24/März 2007.

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