Klartext Kolumne

Klartext: Blut geleckt

Ich weiß schon genau, warum ich niemals nie sage. Denn schon oft habe ich es erlebt, dass sich Interessen und Geschmäcker mit der Zeit verändern können. Auch meine eigenen. Was ich heute in Sachen Büchern uninteressant finde, kann im nächsten Jahr genau in mein Beuteschema passen. Deshalb spreche ich bei Lieblingsgenres inzwischen auch eher von momentanen Lesevorlieben. Nicht zuletzt um umfassend informiert zu sein über das, womit ich mich tagaus tagein beschäftige, habe ich mir angewöhnt, Neuerscheinungen, neuen Autoren und Trends gegenüber nicht verschlossen zu sein und mir vorzunehmen, so es die Zeit erlaubt, ihnen eine faire Chance für den Einzug in mein Regal zu geben.

Meine älteste Schwester, eifrige Nutzerin der Stadtbibliothek, bekniete mich jahrelang, es doch mal mit Hörbüchern zu probieren. Obwohl ich als Kind gerne Hörspiele der 5 Freunde oder Drei ??? und die Platte „Der kleine König Kallewirsch“ rauf und runter gehört hatte, konnte ich mir als Erwachsene zunächst nicht vorstellen, mir ein Buch „vorlesen“ zu lassen. Aber wie sagt man so schön, Versuch macht klug. Nach ersten zögerlichen „Hörtests“ wuchs die Begeisterung für das – gar nicht so neue – Medium sehr schnell. Jetzt mag ich Hörbücher nicht mehr missen. Allerdings bevorzuge ich noch die CD-Versionen, was mit Downloads wird, das weiß der Himmel.

Skeptisch stand ich anfänglich auch E-Books gegenüber. Wenn schon geschrieben, dann bitte auch richtig gedruckt auf Papier, so war mein Motto. Mittlerweile habe ich mich an ein Buch als Datei gewöhnt, aber mehr aus Notwendigkeit als aus wahrem Enthusiasmus. Bei vergriffenen, gedruckten Büchern akzeptiere ich sie als virtuelle Alternative, ansonsten bevorzuge ich das greifbare Exemplar, das ich meiner Büchersammlung real einverleiben kann. Man will seine Schätze schließlich auch vorzeigen können. Außerdem liest es sich am Computer nicht gar so gemütlich. Zwar bin ich schon länger auf einen Laptop umgestiegen, aber auch der ist nicht wirklich handlich, wenn man sich auf die Couch legen will. Der Platz auf dem Schoß ist sowieso von der Katze belegt. Und für ein praktisches Lesegerät will ich zurzeit noch kein Geld ausgeben. Wer weiß, was da die Zukunft bringt.

Bei den Liebesromanen und seinen ganzen Unterkategorien habe ich bevorzugte Gebiete und einige, die noch nicht meine Aufmerksamkeit gefunden haben. Aber die Terra Incognita wird immer kleiner. Mit manchen Genres kann ich mich nach dem Antesten nicht so anfreunden, dass ich sie danach regelmäßig weiter lese. So stehen Freche-Frauen-Romane eher selten auf meiner Wunschliste, nur ab und an ist mal ein solcher Titel darauf zu finden. Andere Genres hingegen lese ich danach sehr gerne. Vor zwei Jahren war die Flutwelle paranormaler Romane für mich noch nichts weiter als eine Erscheinung aus Übersee. Sicher, es gab Ausnahmen. Auch ich hatte die Karpatianer von Christine Feehan gelesen, die gab es schließlich schon etwas länger auf dem deutschen Markt. Ansonsten hatte ich nicht das große Verlangen, mir die Originale näher anzusehen. Nachdem die übersinnlichen Liebesromane nun aber geballt über den großen Teich schwappten, somit die Auswahl hierzulande immer größer wurde, versuchte ich einfach mein Glück mit ein paar Büchern und kam auf den Geschmack.

Probieren geht nun einmal über studieren. Offen zu sein für neue Ideen ist nie verkehrt. Das gilt für alle Aspekte des Lebens. Denn Neuerungen können sich durchaus manchmal als Bereicherungen herausstellen.

Herzliche Grüße
Tina

Zuerst erschienen in der LoveLetter-Ausgabe #29/Februar 2008.

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