Klartext Kolumne

Klartext: Ach wie gut, dass niemand weiß …

Rumpelstilzchen gibt es nicht nur im Grimmschen Märchen. Auch im Internet tummeln sich Gestalten, die sich sicher sind, dass ihre Identität nicht aufgedeckt werden kann. Bei ihrem Tun sind sie auf absolute Anonymität angewiesen, um ihre Motive zu verbergen.

Eine Neuerscheinung ist wohl für jeden Autor eine spannende Angelegenheit. Sicher auch eine nervenaufreibende. Denn die Frage ist immer, wie ein neues Buch vom Publikum aufgenommen wird. Aber selbst bei schon länger erhältlichen Veröffentlichungen ist es interessant zu erfahren, wie sie von den Lesern beurteilt werden. Ein kleiner Indikator dafür sind Rezensionen auf den Webseiten von Online-Buchhändlern und Buchclubs. Wenn ein Kunde dort seine Meinung zum Ausdruck bringt, bedeutet dies zumindest schon, dass ein Roman auf Interesse gestoßen ist. Denn nichts ist schlimmer, als überhaupt nicht beachtet zu werden. Wünschenswert ist natürlich, wenn ein Buch nicht nur einen bleibenden, sondern vor allem einen guten Eindruck hinterlassen hat.

Manch ein Autor scheint jedoch Zweifel an seinem Werk zu hegen, wenn er sich bemüßigt fühlt, das eigene Buch in einer selbstverfassten Besprechung über den grünen Klee zu loben. Nein, das wird natürlich nicht auf den ersten Blick erkennbar so gemacht. Der Autorenname bzw. das Pseudonym sollte dabei unter gar keinen Umständen mit dem Rezensentennamen übereinstimmen. Da wüssten die Leser doch sofort, woher der Wind weht. Pech nur, wenn diese ach so clevere Idee nicht auch genauso clever und vor allem nicht nachverfolgbar umgesetzt wird. Autorenwebseiten und dort aufgeführte Kontaktadressen können manchmal sehr aufschlussreich sein.

Was für einen Eindruck macht ein Autor, der zu so obskuren Methoden greift, um die Werbetrommel zu rühren und in nicht geringem Maße Einfluss auf die Meinungsbildung über ein Buch zu nehmen? Wer nicht dabei erwischt wird, kann sich vermutlich ins Fäustchen lachen bei dieser kostenlosen Reklame. Doch wer eines solchen „Delikts“ überführt wird, der sollte sich nicht wundern, wenn weniger sein Buch als vielmehr seine unglaubliche Dummheit und sein wirklich primitives Täuschungsmanöver im Gedächtnis der Leser zurückbleiben und diese sich in Internetforen quasi das Maul über ihn zerreißen. Ob es das wert ist?

Auch Kollegen, Familie und Freunde dürften wohl als voreingenommen gelten, wenn es um die Einschätzung eines Romans geht. Gleichwohl kann ihnen nicht verwehrt werden, die eigene Meinung kundzutun. Doch dieser Personenkreis kann schnell in den Verdacht der plumpen Manipulation geraten. Wer mit einer netten Widmung namentlich in einem Buch erwähnt wird, sollte vielleicht darüber nachdenken, ob es so geschickt ist, unter genau diesem Namen dann eine Rezension zu verfassen.

Wie das Rumpelstilzchen geendet ist, daran sollte sich so manch einer ab und zu erinnern.

Herzliche Grüße
Tina Dick

Zuerst erschienen in der LoveLetter-Ausgabe #26/Mai 2007.

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