Klartext Kolumne

Klartext: Doppelte Freude oder halber Spaß

Die Klagen über hohe Buchpreise reißen nicht ab, egal, ob manche Verteuerung eher gefühlt als tatsächlich ist. Schnäppchen kommen da immer gelegen. Was gibt es Schöneres als 2:1 oder gar 3:1 Angebote. In Doppel- oder Sammelbänden und Anthologien gibt es in der Regel mehr Buch fürs Geld, manchmal werden darin sogar lange vergriffene Romane neu aufgelegt. Ist doch eigentlich eine tolle Sache.

Die Betonung liegt auf eigentlich. Mich stellen solche Bände mit mehreren Geschichten vor teils unlösbare logistische Probleme. Denn wo sortiere ich die nur ein in meinen überquellenden Bücherregalen? Ordnung ist das halbe Leben, bei einer unüberschaubaren Menge an Lesestoff aber auch überlebenswichtig. Ich kann mich doch so schlecht von Büchern trennen, deshalb müssen sie ganz systematisch untergebracht werden.

Tja, und dann kommt da so ein Sammelband, an dem mehrere Autoren mitgewirkt haben. Stelle ich den nun zu den Romanen von Autor A, weil dessen Geschichte die erste ist, oder doch lieber zu Autor B, weil dessen Geschichte die Fortsetzung einer Serie ist? Doppelt kaufen wäre selbst für mich übertrieben. Das Regal mit den verschiedenen Ausgaben meiner liebsten Jugendbuchautorin verschweige ich hier geflissentlich.

Aber zurück zum Thema. Wieso müssen überhaupt Serienteile in einer Anthologie mit anderen Kurzromanen erscheinen, die mit der Reihe aber auch nicht das Geringste zu tun haben? Ist doch klar, Fans kaufen das Buch, auch wenn sie die anderen Geschichten überhaupt nicht interessieren. Und für eine Novelle allein lohnt eben nicht immer ein eigenes Buch.

Es gibt natürlich auch Doppelbände, in denen nur Romane eines einzigen Autors enthalten sind. Da dürfte es doch nun wirklich nichts zu meckern geben. Gibt es aber. Denn Verlage denken einfach ganz anders als Leser. Es ist egal, ob der vierte Teil einer Reihe mit zwei Einzelromanen zusammengepackt wird. Ein Verlag hat für einen bestimmten Zeitraum das Recht, einen Roman zu veröffentlichen oder eine Neuauflage herauszubringen. Vor Ablauf der Frist muss das Werk erschienen sein. Da wird dann ebenfalls gerne zusammengewürfelt, was nicht zusammenpasst. Das merkt schon keiner.

Selbstverständlich gibt es wichtigere Probleme. Es ist lediglich eine Frage des Service. Schade, dass dieser Gedanke bei manchen Verlagen immer noch so wenig zählt.

Herzliche Grüße
Tina Dick

Zuerst erschienen in der LoveLetter-Ausgabe #25/April 2007.

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