Autorentagebuch Kolumne Projekt "Leo"

Autorentagebuch: Projekt „Leo“ – Folge 4

Kann man an einem Wochenende gleichzeitig umziehen und eine 509-seitige Druckfahne Korrektur lesen? Das war die Frage, die ich mir neulich stellen durfte. Und die Antwort lautet: wenn das Buch super lektoriert und der Text genau so übernommen wurde wie besprochen, dann ja. Es ist immer wieder spannend, die Druckfahnen aus dem Paket zu holen und endlich den ersten Blick auf die Gestaltung des Buchinnern werfen zu können. Ich wurde nicht enttäuscht, denn die Kapitelzahlen wurden mit dem Schattenriss einer Raubkatze hinterlegt. Jedes Mal, wenn ich zu einem neuen Kapitel kam, habe ich mich wieder darüber gefreut. Die wenigen gefundenen Fehler sind verbessert und auch das Cover samt Klappentext noch einmal überprüft, verbessert und angepasst, womit alles druckreif ist.

Allein die Vorstellung, dass mein Buch jetzt tausendfach in einer Druckerei vom Band läuft, in die Läden kommt und an die Online-Buchhändler ausgeliefert wird, ist irgendwie beängstigend. Und auch toll. Aufregend. Wo ist mein Baldrian? Apropos Online-Buchhändler, jetzt ist wieder die Zeit der ständigen Überprüfung des Verkaufsranges bei Amazon (obwohl der über die tatsächlich verkauften Exemplare überhaupt nichts aussagt und allerhöchstens eine Tendenz erkennen lässt). Derzeit bin ich damit sehr zufrieden, fast zwei Monate vor Erscheinen bei einem Rang von unter 1000 zu stehen, ist super. Daran könnte ich mich fast gewöhnen.

Während also wie üblich die panische Phase kurz vor Erscheinen einsetzt, bemühe ich mich, wieder in Teil 2 der Serie hineinzufinden, den ich wegen Umzug und Druckfahne beiseite legen musste. Bei jeder Unterbrechung muss ich wieder von vorne anfangen, mich in die Charaktere und die Situation hineinversetzen und versuchen, das Gefühl dafür wiederzuerlangen. Es schwingt auch immer die Sorge mit: Kann der aktuelle Teil mit dem vorherigen überhaupt mithalten? Das ist das bei vielen Autoren bekannte „Zweite-Buch-Syndrom“. Wobei ich das zugegebenermaßen zum ersten Mal beim zweiten Buch erlebe, Teil 2 der Hunter-Serie „Riskante Nähe“ schrieb sich fast wie von selbst, und ich bin nie in eine Zweifelphase eingetaucht. Dafür hatte ich damals das Problem beim dritten Buch …

Eine weitere Frage ist für mich, wie viel muss man im zweiten Band einer Serie zu den Ereignissen und den Hintergründen im ersten Band erzählen? Reicht es, Andeutungen zu machen und an den richtigen Stellen kurze Hinweise auf das zu geben, was passiert ist? Oder muss im Prinzip die ganze Welt, müssen die ganzen Ereignisse noch einmal erklärt werden? Ich weiß es nicht. Aber ich habe noch knapp vier Monate, um darüber nachzudenken und zu einem Ergebnis zu kommen.

So, nun habe ich alles getan, was ich für „Die Spur der Katze“ tun konnte. Ich habe es geschrieben, überarbeitet und korrigiert, eine Homepage erstellt und eine Artikelserie geschrieben, damit die Leser ein wenig am Entstehen des Buches teilhaben können. Alles Weitere liegt nicht mehr in meiner Macht, aber ich hoffe, dass ich den Lesern mit meinem Buch eine Freude machen kann. Denn zufriedene Leser sind der eigentliche Lohn für die ganze Arbeit.

www.michelleraven.de

Zuerst erschienen in der LoveLetter-Ausgabe #45/Juli 2009.

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Michelle Raven

Schon als Kind war Michelle Raven ein Bücherwurm, deshalb schien der Beruf als Bibliotheksleiterin genau das Richtige für sie zu sein. Als sie alle Bücher gelesen hatte, begann sie, selbst für Nachschub zu sorgen. Und wurde zu einer der erfolgreichsten Autorinnen im Bereich Romantic Fantasy und Romantic Thrill. Bislang hat sie 40 Romane veröffentlicht, von denen einer auf der SPIEGEL-Bestsellerliste landete.