Zum Buch Linda Mignani
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Zum Buch: Die Magie einer Buchserie

Als im Mai 2011 mein Debütroman „Verführung und Bestrafung“ erschienen ist, konnte ich nicht wissen, dass die Leser sich in jeden Maestro der Serie verlieben und sie genauso glücklich sehen wollten wie John und Viola, die beiden Protagonisten, die sich in meiner ersten Geschichte gefunden haben. Inzwischen haben sieben Romane der „Federzirkel“-Serie das Licht der Welt erblickt, und der achte Band, „Feuernächte“, steht in den Startlöchern.

Was ist das Reizvolle einer Buchserie?

Als Leser liebe ich das Familiäre der Romane. Ich kenne einen Teil der Darsteller, habe sie bereits ein Stück ihres Lebens begleitet und möchte erfahren, wie es ihnen weiterhin ergeht. Sie sind wie Freunde, bei denen man eine Zeit lang zu Besuch ist. Man kennt das Haus, die Umgebung und doch gibt es noch viel zu entdecken.

War da nicht der interessante, heiße Nachbar, auf den man zwar nur einen Blick werfen konnte, aber der so ausgesehen hat, als wünschte er sich nichts so sehr, wie eine Frau in den Armen zu halten oder, um das Thema meiner Romane aufzugreifen, sie über seine starken harten Knie zu legen, weil er sie bei etwas Ungezogenem erwischt hat? Und schon ist man mitten im Geschehen. Und wenn weitere Freunde vorbeischauen, fühlt man sich nicht als Besucher, sondern ist zu Hause und findet die Gläser auf Anhieb im Schrank.

Als Leser einer Serie weiß man, was man erwartet, und ist glücklich, wenn man es bekommt. Man möchte zwar Frisches entdecken, jedoch sollte es nicht zu frisch sein. Natürlich hat man Lieblingsfiguren und vielleicht einen Lieblingsband, einen Roman, der einem besonders gut in der Serie gefallen hat. Und man fiebert dem nächsten Band entgegen, möchte wissen, wie es weitergeht, kann es kaum abwarten, endlich wieder in die bekannte, aber auch unbekannte Welt einzutauchen. Wie wird es dem Nachbarn ergehen, wenn er auf seine Bestimmung trifft?

Ich will das wissen.

Als Autorin stehe ich vor ganz anderen Herausforderungen. Die Leser möchten den Anschluss an jedes Paar behalten, möchten wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Freuen sich über kleine Anekdoten aus den Leben der Liebenden, die sich bereits in den vorhergehenden Bänden gefunden haben. Mit steigender Anzahl wird es schwierig, allen gerecht zu werden, ohne dass man dem neuen Paar die Luft zum Atmen stiehlt. Ihre Geschichte braucht genügend Raum, um sich zu entfalten.

Zudem muss ich neue Nebencharaktere in den jeweiligen Roman einbinden, ihnen mit wenigen Sätzen so viel Leben einhauchen, dass sie nach ihren eigenen Geschichten verlangen. Mein neuer Roman „Dark Tango“ sollte eigentlich ein Einzelroman bleiben, aber Alanic hat hochgradiges Interesse geweckt, sodass er seine Seelenpartnerin finden wird.

Ich muss mir nicht nur das Aussehen aller Mitwirkenden merken, sondern ihre Charaktereigenschaften ebenso im Auge behalten, genau wissen, was in allen Romanen geschehen ist. Der Charme der Serie kann nicht zwischendurch einfach geändert werden, und doch muss man als Autor auch neue Wege gehen, damit es spannend bleibt. Die Leser äußern Wünsche, was sie gerne lesen möchten. Da wird von Babys gesprochen, von verschollenen Töchtern, von weiteren Familienmitgliedern, die plötzlich auftauchen könnten, sodass es weitergeht.

Ich verspüre eine tiefe Verbundenheit zu meinen Romanfiguren und sie sind für mich lebendig, während ich ihre Geschichten niederschreibe und auch danach. Eine Serie gibt mir die Möglichkeit, bei ihnen zu bleiben, auch wenn das Wort Ende unter dem jeweiligen Teil steht. So wird aus den Einzelbänden irgendwie eine Familiensaga, und immer steht die Liebe an erster Stelle.

Wird das nicht langweilig?

Nein, Liebe ist ein derart intensives Gefühl und es wird nie reizlos, darüber zu schreiben. In meinen Soft-SM-Romanen steht stets das „sich Finden“ im Vordergrund, eine große Liebe, ein Happy End, und da treffen sich die Anforderungen, sowohl des Lesers als auch des Autors. Wir ziehen an einem Strang und möchten in den Geschichten abtauchen, eine angenehme Zeit erleben, die uns fesselt, uns lachen oder weinen lässt, und wir wollen nicht, dass es zu Ende geht. Wir möchten noch länger an diesem wunderbaren Ort verweilen, wollen einmal mehr durch die Umgebung streifen, Überraschendes entdecken, aber darüber hinaus Bekanntes erfahren. Möchten den Zauber erneut genießen, der uns andauernd in seinen Bann zieht, fein abgestimmt, sodass die Nuancen zueinanderpassen.

Die Liebe zu den Serien geht sogar so weit, dass die Leser lautstark nach einem Crossover zwischen dem „Federzirkel“ und der Inselwelt meiner „Touch“-Serie verlangen. Ein Wunsch, den ich ihnen gerne erfülle.

Jeder meiner Romane ist in sich abgeschlossen, doch besonders viel Spaß machen sie, wenn man zum Beispiel Viola immer wieder trifft, und sie dabei beobachtet, wie sie John auf die Spitze der höchsten Palme treibt.

www.lmignani.blogspot.de

Zuerst erschienen in der LoveLetter-Ausgabe #113/November 2015.

Cover: Plaisir d’Amour
Foto: Linda Mignani

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Linda Mignani

Linda Mignani wurde in Kirkcaldy (Schottland) geboren und lebt glücklich verheiratet im Ruhrgebiet. Schreiben und Malen zählen zu ihren Leidenschaften und beides hat erstaunlich viel gemeinsam. Frauenuntypisch besitzt sie nur eine Handtasche aber unzählige Turnschuhe. Ihr Motto: das Leben ist zu kurz, um sich zu ernst zu nehmen.