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Zum Buch: Das Regency, die Barnetts und ich

Wenn ich von meiner Zeit spreche, dann denke ich nicht an das 21. Jahrhundert, sondern dann tauche ich gedanklich in das beginnende 19. Jahrhundert ein, als der Prinzregent und spätere König George IV. die Regierungsgeschäfte des vereinten Königreichs für seinen geistig umnachteten Vater übernommen hatte. Diese Regency-Periode ist die Zeit der Kriege gegen Napoleon, der industriellen Revolution und der Massenarmut. Aber auch die Zeit jener rauschenden Bälle, erlesenen Diners und attraktiven Gentlemen, über die meine Romane erzählen. Mir ist es dabei immer wichtig, dass die Heldinnen in ihren Empire-Kleidern nicht nur hübsch aussehen, sondern dass sie, im Rahmen der damals sehr strengen Konventionen, mutig sind und ihren eigenen Kopf durchsetzen wollen.

Ich habe Berge von Büchern mit Hintergrundinformationen zu und über meine Zeit verschlungen, mehr als fünfzig Mal die Originalschauplätze meiner Geschichten besucht und auf Windsor alle Fremdenführer zur Verzweiflung getrieben, als ich mich nicht mit den Grabmälern der Könige Georg V. oder Georg VI. zufriedengeben, sondern unbedingt das Grab meines Königs, des vierten George finden wollte, das dort niemand kannte. Es stellte sich schließlich zum Unterschied zu den prunkvollen Sarkophagen als schlichte Bodenplatte heraus. Anscheinend hatten seine Zeitgenossen mit der Verschwendungssucht des Königs, seinen mehr als hundert Gängen bei Tisch und dem Ankauf und der Errichtung teurer Schlösser, vom Buckingham Palace bis zum Royal Pavilion in Brighton, weit weniger Freude als ich.

Nachdem ich jahrelang alle Details recherchiert hatte, begann eines Tages seine Gnaden der Herzog von Wellbrooks in meinem Kopf zu sprechen, und ich schrieb seine Geschichte auf. „Die Braut des Herzogs“ war geboren. Fünf weitere erfolgreiche Regency-Romane folgten, und jedes Mal hieß es wieder Abschied von meinen Figuren nehmen, kaum dass ich und meine Leserinnen sie kennengelernt und liebgewonnen hatten. Um das zu ändern, kam mir die Idee zu meiner neuen „Lancroft Abbey“-Serie.

Dem ruhmreichen Seefahrer General George Barnett wurde für seine Erfolge zu See 1601 von Königin Elisabeth I. der Titel Viscount of Panswick verliehen. Er erwarb das ehemalige Kloster Lancroft Abbey nördlich von Tunbridge Wells in der englischen Grafschaft Kent und baute es für seine Familie um. Seit dieser Zeit befindet sich der vierseitige Backsteinbau mit den runden, markanten Ecktürmen im Besitz der Familie Barnett.

Der 7. Viscount of Painswick war ein redlicher Mann, der weder etwas von Landwirtschaft, noch von Vermögensverwaltung verstand. Sein Geld investierte er vor allem in die Ausgrabungen, die sein Neffe in Ägypten leitete. Als er 1810 an einem heimtückischen Fieber stirbt, hinterlässt er eine tatkräftige Witwe und fünf heranwachsende Kinder. Jedes Buch meiner Serie wird eines dieser Kinder als Hauptfigur haben.

Frederica, die Älteste, träumt von einem glanzvollen Debüt in der Hauptstadt unter der Obhut ihrer Cousine Agatha. Als der Vermögensverwalter die Schulden offenlegt, muss die verwitwete Viscountess erkennen, dass das wenige Vermögen nicht ausreicht, Landsitz und Familie bis zur Großjährigkeit ihres Sohnes Bertram, dem Erben, durchzubringen. Sie setzt alles auf eine Karte und schmiedet einen waghalsigen Heiratsplan. Nicht Frederica soll nach London reisen, sondern ihre um zwei Jahre jüngere Schwester Penelope, der sie als wahrer Schönheit eher zutraut, einem reichen Mann so schnell den Kopf zu verdrehen, dass er binnen kürzester Zeit, nicht nur um ihre Hand anhält, sondern auch die Familie und den Landsitz vor dem Untergang bewahrt.

Das gesamte zur Verfügung stehende Geld wird in dieses Debüt investiert. Als sich die geplante Anstandsdame durch ein Missgeschick das Bein bricht, schlüpft Frederica in die Rolle ihrer verwitweten Cousine und begleitet Penelope zu ihrem Aufenthalt in die Hauptstadt. Beide Mädchen sind eifrig bemüht, Mutters Heiratsplan umzusetzen und die reichen Gentlemen kennenzulernen, deren Namen sie ihnen aufgeschrieben hatte. Doch die Dinge entwickeln sich ganz anders als geplant.

Auch wenn zumindest eine der Schwestern ihr Glück in „Der Heiratsplan“ findet, ist das Schöne an der Serie, dass die Geschichte von Frederica und Penelope noch nicht zu Ende erzählt ist. Wir werden den beiden auch in den nächsten Büchern wieder begegnen. Und natürlich auch ihrer tatkräftigen Frau Mama und ihrem Bruder Bertram, der sich als Student in Cambridge zu einem ernsthaften Gentleman entwickelt und zu hohen Erwartungen Anlass gibt. Dann sind da natürlich auch noch die kämpferische Vivian und Niki, der Jüngste, der ein recht lebhafter, junger Mann zu werden scheint. Ich freue mich darauf, all ihre Geschichten zu erzählen.

www.sophias-romane.at

Zuerst erschienen in der LoveLetter-Ausgabe #113/November 2015.

Cover: Edel: eBooks
Foto: Christine Wurnig


Unsere Rezension zu Der Heiratsplan.

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Sophia Farago

Die österreichische Sophia Farago, ist Unternehmensberaterin und Autorin. Die englische Geschichte ist ihr große Leidenschaft. Mit ihren Regency-Romanen feierte sie in den vergangenen Jahren bereits große Erfolge.